INFO

1972
Heiko
von Swieykowski

BIOGRAFIE

Die DFFB war ohne Frage mein wichtigstes Sprungbrett für den Start in das Berufsleben.
Mein Abschlussfilm "Wir mahlen mit Wind" (ein Portrait des letzten Windmüllers in Ostfriesland) lief im Jungen Forum des Deutschen Films im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele und im SFB.
Aus heutiger Sicht kam durch die damals im Vordergrund stehenden politischen Auseinandersetzungen der 68er-Bewegung das Studium an der DFFB viel zu kurz - aber ich möchte sie auch aus heutiger Sicht nicht missen.
Während des Studiums hatte ich oft die Gelegenheit, gefördert durch den legendären Tondozenten Peter Lustig, professionell mit dem Filmton umzugehen. So blieb es nicht aus, auch bei Abschlussfilmen den Ton zu machen.
Als für eine Fernsehserie irgendwo ein Tonassi ausfiel, bekam ich meinen 1. Job im Filmgeschäft und konnte durch aufmerksames Zuschauen sehr viel ganz vorn am Set lernen - auch für die folgende Tonmeistertätigkeit.
Schon sehr schnell wurden die Aufgaben mit dem häufig unterschätzten Filmton immer größer. Im aktuellen Bereich war ich bald mit eigenem großen professionellen Equipment als anerkannter Filmtonmeister tätig.
Dann kam der Spielfilm. Mein Glück war dabei, immer hervorragende Tonassistenten zu haben, ohne die meine kurze aber sehr erfolgreiche Karriere als Filmtonmeister nicht möglich gewesen wäre. Da ich nicht vor hatte, dieses für immer zu bleiben, machte ich einen radikalen Schnitt und verkaufte spontan mein gesamtes Equipment.

Peter Leippe (gleicher DFFB-Jahrgang 1972 und damals Redakteur beim Bundespresseamt) fragt mich, ob ich mich an einer Ausschreibung für einen Kinokurzfilm beteiligen wolle. Der (Spiel)Film sollte den damals noch völlig unbekannten Begriff „Recycling“ in den Vordergrund stellen und möglichst das Prädikat „Besonders Wertvoll“ bekommen, was auch gelang. Mein schon damals berühmter Nachbar Otto Sander erklärte sich spontan bereit, die Hauptrolle zu übernehmen.
Das Drehbuch mit slapstickartigen Szenen wurde in der BPA- Behörde akzeptiert, und der niedrig kalkulierte Gesamtpreis führte zum Zuschlag.
Mein erster Kino-Film wurde ein Erfolg, weitere Aufgaben als Regisseur und Produzent folgten, aber gleichzeitig überkam mich auch eine tiefe Sehnsucht aufs Land zu ziehen - raus aus Westberlin.
Die junge 4-köpfige-Familie und eine zu restaurierende idyllische reetgedeckte Windmühle mit Bauernhaus und Nebengbäuden im geografischen Mittelpunkt Ostfrieslands ließen alle Filmambitionen in Berlin in den Hintergrund rücken. Mein Mühlen-Abschlußfilm hatte mich irgendwie wieder eingeholt.
Ein historisches ZDF-Fernsehspiel, ein Antikriegsfilm „In den Tod-Hurra!“ als Produzent war die letzte freiberufliche Tätigkeit.
Da es noch keine Handys und kein Internet gab, wurden die Kontakte nach West-Berlin schnell weniger. Es folgten ein Lehrauftrag für Film an einer Fachhochschule und Reportertätigkeiten beim NDR.
Der NDR war auf der Suche nach einem Fachmann für den ländlichen Raum sowie einem Experten für EU und Landwirtschaft. Ich kniete mich in das Thema und machte Nachrichtenfilme und Reportagen für Tagesschau und Tagesthemen sowie die 3. Programme. Bald darauf wurde ich als bunter und parteiloser Quereinsteiger Fernsehredakteur im NDR, der sich den harten Alltag des Fernseh-Journalismus erst als Autodidakt erarbeiten musste, wobei diverse Erfahrungen aus den verschiedenen Engagements sehr nützlich waren.
Festangestellt konnte ich tief durchatmen und hatte das Privileg Themen, mit ausreichend Zeit zu recherchieren und umzusetzen. Doch es war auch müßig, sich immer wieder gegen die internen Widerstände gegen investigativen Journalismus stemmen zu müssen.
Der NDR fragte mich eines Tages, ob ich die daniederliegende Ausbildung der Nachwuchsjournalisten übernehmen könnte.
Ich nahm die neue Herausforderung an und baute eine der erfolgreichsten Journalistenschulen in der ARD auf. Ca. 500 Journalisten durchliefen während der zwölfjährigen Zeit meine Abteilung.
Von Anja Reschke (Panorama) bis Ingo Zamperoni (Washington) sind sie heute beinahe täglich in der ARD präsent.
Der Intendant Jobst Plog schrieb mir zum Abschied:
„Mit Fachkenntnis und dem Blick für das Wesentliche haben Sie der Volontärsausbildung im NDR dazu verholfen, sich qualitativ als eine der besten Journalistenschulen im deutschen Medienmarkt zu etablieren.“
Mit Mitte 50 verließ ich den NDR. Die Sehnsucht nach dem Landleben und der Reiz, etwas Neues zu probieren waren zurück gekehrt. Ich gründete einen eigenen Forst- und Landwirtschaftlichen Betrieb auf der großväterlichen Scholle (ehemaliges Rittergut) in Mecklenburg-Vorpommern, zu dem ich heute von Berlin aus hin- und her pendele.
Als Senior Expert bin ich ab und an gefragt und habe im Oktober 2015 ehrenamtlich in Georgien für einen Fernsehsender Anregungen, Ideen und Konzepte geliefert sowie für den Sender einen eigenen Werbefilm realisiert.

Heiko von Swieykowski, Oktober 2015