GESCHICHTE ÜBER DIE GESCHICHTE DER EINFÜHRUNG IN EINE WAHRE GESCHICHTE (der dffb)


Diese Seite wird entsprechend dem jeweiligen Stand der Filmauswertung aktualisiert. Es lohnt sich also, gelegentlich reinzuschauen.


AKTUELL 2019 und 2020

Hier seht ihr einen in die Hauswand vor dem REGENBOGEN KINO integrierten Schaukasten, indem auch unser Plakat seinen Platz fand. Am 6. + 7.9.2019 wurde unser Film in dieser ehemals besetzten Fabrik gezeigt. Ich war sehr erfreut, Angie Welz-Rommel (JG 1981) und meinen Jahrgangskollegen Manfred Hulverscheid (JG 1983) zu treffen. Am ersten Abend kam nach der Vorstellung ein junger Mann auf mich zu und erklärte mir, dass er einer der Darsteller in einem der vielen Ausschnitte gewesen sei. Im Film von Stefan Pethke. Cool: er kam für 1 min. von vor fast 30 Jahren!

Am 22.2.2020 dann lief unser Film im SPUTNIK KINO, welches ich vor 32 Jahren mit meiner Band MUTTER einweihte und dort lange Jahre gearbeitet hatte. Auch hier gab es Studenten der DFFB als Gäste zu begrüßen, Berlinale-Verirrte und the great Francy Fabritz (JG 2013). Auf dem Photo die charmante Sputnik Leiterin Andrea Stosiek.

 

Der Fortgang einer wahren Geschichte über unseren Film  21.08.2019

von Frank Behnke (Stand 21.08.2019)

DIE JAHRE 2018 UND 2019

Und die Geschichte wäre: Stefan Pethke und ich ließen uns Zeit, das Kalenderjahr 2018 für Festivalanmeldungen unseres Filmes EINFÜHRUNG IN EINE WAHRE GESCHICHTE DER DFFB zu nutzen. Wir meldeten uns auch treu an, per Mail, per Papierpost, telefonierten, um der ungewöhnlichen Struktur des neuen Films mit altem Material noch etwas Substanz zu geben – nein, die hat der Film ja, eher um den Festivalmachern Mut zu machen.

Leider funktionierte das nicht wie geplant – es blieb bei der Aufführung beim ACHTUNG BERLIN Festival im April 2018 (s.o.).

Nun schreiten wir voran und werben in Handarbeit (wie alles im Film in klassischer DIY-Methode vorangebracht wurde) um den Kinoeinsatz in Berliner Filmtheatern.

Das 'Lichtblick Kino' hatte am 27. Juli den Anfang gemacht. Das Kino war nicht überfüllt, aber die anschließende Diskussion verlief intensiv. Dabei ging es nicht nur um die Montagestruktur des Films, sondern auch das Interesse an Einzelfiguren im Film wurde geäußert, wie an dem Hinterhofmusiker Bruno S. in Lutz Eisholz' (Jahrgang 1966) Film Bruno der Schwarze.

Das schönste Kompliment kam von Elsa Rosengren (Jahrgang 2014), die unseren Film zum dritten Mal sah: „Der Film gewinnt immer mehr, je öfter man ihn sieht“.

Wolf Siegert führte dann ein kurzes Interview mit mir, welches auf seinem Blog zu hören ist.
http://www.daybyday.press/article6716.html?lang=de

Kommt zahlreich zu den nächsten Vorführungen, die vereinzelt in Berliner Kinos geplant sind...

Hier auf der Alumniseite unterrichten wir euch immer unter „Nachrichten“.

 

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Versuch eines Protokolls – besser: Bestandsaufnahme dffb-Filmcollage – noch besser:

GESCHICHTE ÜBER DIE GESCHICHTE DER EINFÜHRUNG

IN EINE WAHRE GESCHICHTE

(der dffb)

 

von Frank Behnke (Stand: 21.4.2018)

 

Februar 2014 bis Februar 2015

Berlinale 2014. Bei der Filmvorführung von Fluch der Medea, Regie: Branwen Okpako, einer dffb-Absolventin (Jahrgang 1992), traf ich auf Stefan Pethke, ebenso ein dffb-Absolvent. Ich ging eigentlich nur wegen dem Medea Stoff hin, zu dem ich gerade meinen ersten Roman geschrieben hatte und der sich in der verlegerischen Endphase befand.

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Foto 01: FRANK BEHNKE Ich Medea

Peinlicherweise konnte ich mich gar nicht an einen Film von Stefan erinnern, aber an die Kraft der Diskussion über Filme und an dessen Kollegen wie Thomas Arslan und Christian Petzold. Stefan jedoch wusste genau über meinen dffb-Abschlussfilm Das Wasser des Nils wird zu Blut werden Bescheid, der (damals unüblich für einen Studentenfilm) im Forum auf der Berlinale 1989 gezeigt wurde und nun, nach all den Jahren als Vorläufer der 'Berliner Schule' angesehen werden kann.

Seine zurückhaltende Handlung, spärliche, minimalistische Umgangsform, die sich durch die Hinwegnahme der handelnden Figuren auf lange Raumeinstellungen reduziert und wo nahezu tonlos vorgetragene Polizeiprotokolle auf der Tonspur die Menschenleeren Bilder füllen, bzw. ihnen ihre Unschuld nehmen. Die Behauptung einer fiktiven Handlung in einem leeren Raum fordert die Zuschauer auf, in etwas Unsichtbares einzusteigen, mitzumachen, auch um einer musealen Langweiligkeit zu entfleuchen.

Zudem waren die in der 'Berliner Schule' handelnden Personen bereits eingesetzt: Flori Körner und Michael Weber, die mit der späteren 'Schrammfilmproduktion' Angela Schanelecs, Thomas Arslans oder auch Christian Petzolds Filme produzieren werden, waren hier für Licht und Bühne verantwortlich, Reinhold Vorschneider als einer der prägenden Kameraoperatoren komponierte in meinem Film einmalige Bilder. Einmalig wäre wörtlich zu nehmen, denn aufgrund der finanziellen Grenzen für einen 35mm Film, stand ich mit der Stoppuhr daneben und ließ jede Aufnahme nur exakt einmal zu. Und schließlich gehörte auch das Nest dffb, in das alle hinein- und auch wieder herausflogen, dazu.

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Foto 02: Dreharbeiten DAS WASSER NILS WIRD ZU BLUT WERDEN
(v.l.n.r.: Michael Weber (Schrammfilmproduktion - Licht), Prika Forter (Kameraassi), Florian Körner (Schrammfilmproduktion - Bühne), Reinhold Vorschneider (Kamera), Frank Behnke (Regie)

Stefan Pethke wusste all das und auch den literarischen und künstlerischen Bezug zu Dostojewski und Vincent van Gogh in meinem Film.

Bei einem intensiven, fließenden Gespräch über die Bedeutung der dffb und der vielen Kreuzungen von Stoffen, Stilen und jungen Energien, stießen wir auf das in zwei Jahren bevorstehende 50. Jubiläum und stellten uns einen Film über diese Akademie vor - einen Film, der sich selber erklärt und erzählt. Der all die verschiedenen politischen, poetischen, dokumentarischen oder schrillen Phasen seiner fünf Dekaden in sich trägt. So kamen wir auf die Urspungsidee, die in dem heute abgeschlossenen Filmprojekt genauso umgesetzt wurde: einen Film über, mit und an der dffb herzustellen, mit Materialausschnitten aus einem halben Jahrhundert Filmgeschichte der dffb und unter praktischer Einwirkung aktuell Studierender mit modernem Blickwinkel in einem 'Found Footage' Seminar montiert. Ein Mosaik, eine Collage, ein Eintopf.

Uns sprudelten all diese Ideen während der nur dreißig Minuten, bevor der Berlinalefilm startete.

Während des Jahres 2014 erarbeiteten wir dann ein Konzept, ein Exposé und später aus den ersten Ausschnittzusendungen auch einen Trailer zum Gang durch die Institutionen (Produzenten-finden).

Die 'Freunde und Förderer der dffb' riefen zu einigen vorbereitenden Treffen, um dann ein größeres Anniversary Event auf die Beine zu stellen, in dem dieser eigenwillige Film  präsentiert werden würde.

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Foto 03: Exposé 2015

 

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Foto 04: Frank & Stefan 2016

 Ein von Dagmar Jacobsen in die Wege geleitetes Produktionsgespräch mit dem 'Kleinen Fernsehspiel' verlief leider im Sande, und andere Finanziers standen nicht gerade Schlange, obwohl sich auch die inzwischen erstellte Kalkulation in mäßigem Rahmen befand. Das Thema der Selbstausbeutung war uns nicht fremd, war aber auch nicht bevorzugt. Wir beide sahen uns an und nickten stumm. „Let's do it.“ Immerhin: ein Film ohne Dreharbeiten kann direkt in die Post-Produktion gehen, in den Schnitt. Oder: Die Post-Produktion IST die Produktion des Films (was einem TV Sender sicher suspekt vorkam – es gab kein Drehbuch zu beurteilen, auch der Trailer war zu experimentell). Eine nicht unerhebliche Unterstützung gab es: Sie kam von sehr vielen aufmunternden Mails der beteiligten Absolventen bei mir an! Echter Sprit für den leeren Tank.

 

19.3.2015

Zu einem großen generellen Anniversary Meeting im März 2015 wurde bereits zur Einreichung von Filmausschnitten aufgefordert – die ersten kamen auch sofort. Sehir von Marlyn Ecer Solakhan (Jahrgang 1980) und Einmal Karo Bitte (mit dem Rosenverkäufer Harun Farocki) von Dagmar Jacobsen (Jahrgang 1983) auf DVD, Raggae Music und Sacy Perere von Rolf Coulanges (Jahrgang 1978) auf einem Memory Stick, Material, das ein Jahr später ausgewechselt werden konnte, da Rolf eine frische digitale Abtastung vom 16mm Negativ erhalten hatte.

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Foto 05: Einsendungen

 

Dezember 2015 bis Februar 2016

Bis zum Jahresende trafen etliche DVDs, Memory Sticks, Videobänder (sogar U-Matic, Videocassetten so dick wie die Bibel) oder Downloadcodes mit Filmausschnitten aus der dffb-Zeit der jeweilig angefragten Absolventen bei mir ein. Über 1.000 Alumni wurden angeschrieben, insgesamt haben sich dann 87 gemeldet, die mit ihren Ausschnitten die Montageidee unterstützten. Um ein überschaubares Projekt zu starten, baten Stefan und ich darum, nur ca. 5 Minuten Ausschnitt zu senden, von einem oder mehreren dffb-Produktionen eines/einer Regisseur/in. Viele hielten sich daran, bei etlichen machten dann 8 Minuten mehr Sinn, und ca. 30 Absolventen hatten aus Zeitmangel komplette Filme geschickt, um uns dann die Auswahl eines Ausschnittes zu überlassen. Einige haben statt des Bild/Ton-Materials präzise Ausschnittangaben geschickt, da sie keine verfügbare Video- oder Digitalkopie ihrer meist auf 16mm gedrehten Filme hatten. Es wurde auf das dffb-Filmarchiv, geführt von der Stiftung deutsche Kinemathek, verwiesen.

Ich führte dort mehrere Gespräche und präsentierte die Projektidee. Für die Kinemathek stellte ich eine Liste mit angeforderten Filmen zusammen. Am idealsten schwebte uns eine frische Abtastung vor, wenn auch nur dieser Ausschnitte. Es war mir aber auch klar, dass dies personal- und finanztechnisch nicht innerhalb eines halben Jahres zu stemmen gewesen wäre. Denn inzwischen hatten wir mit dem dffb-Studienleiter ein Schnittseminar verhandelt, welches erst im Februar, dann schließlich im März 2016 stattfand.

So erhielt ich von der Kinemathek vorläufige Videokopien genau der gewünschten, fehlenden Ausschnitte, später würden die dann mit neuen Scans ausgetauscht werden. Jedoch nicht alle Filme waren dort digital verfügbar. Jene nicht Verfügbaren unterlagen nun einer archivarischen Suche, die zur Abfilmung mehrerer 16mm Ausschnitte vom Steenbeck Schneidetisch führten (Pochmann von Horst Markgraf, Kapverden Unabhängig von Wyss, Kotani und Heidrich, Widerstand in Guadeloupe von Ursula Dieterich, Utupua vom Reiner Penzholz u.a.) und bei wenigen sogar auf eine VHS Kopie beschränkt blieben (Perle der Karibik von Manni Stelzer – danke Monika Schmid!).

In den frühen 1990er Jahren fand ein erster Versuch der Archivierung an der dffb statt – die meist auf 16mm gedrehten Filme wurden auf das seinerzeit aktuell hochwertige Videoformat Beta-SP überspielt (leider noch nicht DigiBeta). Dieses Archiv wird genau geführt, und etliche Filme fand ich eben dort, aber auch mit den Problemen, die bei Jahrzehnte nicht abgespielten Videobändern auftauchen – Schlieren, Dropouts und einer Bildqualität, die nur darauf hinweist, wie sehr sich unsere Sehgewohnheiten seit der HD-Technologie verändert haben. Manchmal kam die Qualität der einer VHS-Videocassette gleich. Selbst Aktenden und -anfänge waren sichtbar, Tonsignale oft zu schwach und dafür ein Bandrauschen zu stark.

In dieser Zeit, schon seit dem Frühjahr 2015, buchte ich an der dffb den Platz der Umspielung, sodass ich all die unterschiedlichen Medien auf ein aktuelles Format digitalisieren konnte. Das brachte besonders bei den Videobändern etliche Probleme mit sich, wenn es Dropouts gab oder ungeordnete Timecodes. Es gab wochenlange 1:1 Umspielvorgänge mit der unschätzbaren Hilfe der dffb-Videotechníker. Sogar die immer noch vorhandene U-Matic-Maschine, die zusammengebrochen war, wurde über Weihnachten in Reparatur gegeben, und ich konnte im Januar 2016 weiter Videos in digitale Dateien wandeln.

 

März bis September 2016

Für das 'Found Footage Seminar' über Ostern fanden sich von acht Interessierten Studenten fünf ein: Leonie Minor (Jahrgang 2012, mit ihrem 4 Wochen alten Arthur), aus dem gleichen dffb-Jahrgang Ewelina Rosinska und Lisa Roling. Plus Gio Korkashvili (Jahrgang 2009) und Julia Milz (Jahrgang 2014).

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Foto 06: Team bei Frank 3-2016,
v.l.n.r.: Frank Behnke, Julia Milz, Ewelina Rosinska, Gio Korkashvili, Stefan Pethke, Leonie Minor mit Artur, Lisa Roling

Stefan und ich teilten die 117 Filmausschnitte mit ihren über 500 Minuten Material (lang gesichtet und nun fein ordentlich als Quicktime-ProRes422-Dateien im 16:9-Format gespeichert) auf 5 Festplatten auf, und zwar nach den Anfangsbuchstaben der Filmausschnitte alphabetisch geordnet. Das Drehbuch war sozusagen die Inspiration der jeweiligen Studenten, mit denen sie beim Sichten des Materials beschenkt wurden. Ansonsten waren gestalterisch keine Grenzen gesetzt – die interdisziplinäre Montage gewünscht. Die Kommunikation von Material aus verschiedenen Jahrzehnten versprach einen genre- und geschmackübergreifenden Dialog. Auch die technische Einflussnahme wurde nicht verboten, Bilder konnten wiederholt eingesetzt oder gespiegelt werden, Ton abgekoppelt in anderen Montageeinheiten verwendet oder Buchstaben, also Worte und Statements von heute eingesetzt werden. Es entstanden wirklich bemerkenswerte Ergebnisse dieser fünf Produktions- und Regiestudenten!

07 EINFUEHRUNG 3 Schneideraumtuer in dffb 2016 Kopie

Foto 07: Schneideraumtür in dffb, 2016

 

08 EINFUEHRUNG 12 Prof Behnke im Seminar

Foto 08: Prof. Behnke im Seminar (© Stefan Pethke)

Man traf sich ca. jeden zweiten Tag im Schneideraum der dffb, um miteinander die aktuellen Schnittideen (meist zu Haus geschnitten) auszutauschen und zu diskutieren. Das Gefühl eines an einem Strang ziehenden Kollektivs entstand, auch wenn dieses Prädikat nicht gemocht wurde – wahrscheinlich historisch zu belegt. Aber es war durchaus ein Kollektiv – ohne rote Fahne und Fünfjahresplan. Im Gegenteil: die Zeit drückte – etliche Materialien zum Austausch würden noch von der 'Kinemathek' geliefert, Feinmontage, Tongestaltung, Colorgrading und die Herstellung einer vorzeigbaren Kopie standen für die kommenden vier Monate an! Wir wollten das Ergebnis gern als klassisch linear erzählten Film im Geburtstags-September 2016 präsentieren.

09 EINFUEHRUNG 4 Team in dffb 4 2016

Foto 09: Team in dffb, 4-2016

So sahen dann auch die Monate von April bis August 2016 aus: Wir, Stefan und ich, trafen uns regelmäßig, z.T. täglich im Schnittstudio meiner 'Schwarzfilmproduktion' und stellten den Feinschnitt aus den etlichen Montageblöcken der Studenten her. In meiner Funktion als Cutter und dffb-Absolvent setzte ich aus den nicht zur Verwendung gekommenen Filmausschnitten eine eigene Inspirationsmontagesammlung zusammen. Es funktionierte, und somit fügte ich einen eigenen Beitrag hinzu, den wir mit den vielen Montageeinheiten der Studenten korrespondieren lassen konnten. Tatsächlich sind dann aus jedem der eingereichten Filme Ausschnitte, auch wenn sie noch so kurz waren, in die finale Montage eingeflossen.

Ein Schatten fiel im April. Tamara Wyss (Jahrgang 1969), mit der ich mich per Email über ihre Beiträge Warum Barbara ins Heim kommt (mit der jungen Barbara Sukova, Co-Regie Brigitte Krause, Jahrgang 1970) und Kapverden Unabhängig verständigte, starb im März 2016. Sie wurde auf dem Berliner Dreifaltigkeitsfriedhof am Hallischen Tor beerdigt.

10 TAMARA

Foto 10: TAMARA

 

17.6.2016

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Foto 11: Work in Progress, 17-6-2016

„DFFB 50 Work in progress“, so betitelt gab es eine interne Vorführung des Films im Kino der dffb, nachdem einige Kritiken in die finale Arbeit einflossen. Ingo J. Biermann (Jahrgang 2004), Gerd Conradt (Jahrgang 1966), Dagmar Jacobsen (Jahrgang 1983), Fabian Tietke (Programmgestalter) u.m. reagierten – auch diese Namen zeugen schon von einem zeitlosen Mix der Absolventen und Interessierten. Die Studentin Marie Klein (Jahrgang 2014) bot sich an, das Projekt zu graden. Alles zielte auf eine erste ernstzunehmende Vorführung ab.

 

29.9.2016

12 EINFUEHRUNG 6 Interne Vorfuehrung 27 9 2016

Foto 12: Interne Vorführung, 27-9-2016

 „EINFÜHRUNG IN EINE WAHRE GESCHICHTE DER DFFB“

Die hausinterne Premiere auf technischer Basis einer Quicktime Datei fand an diesem Tag im dffb-Kino statt. Von den 'Freunden und Förderern der dffb' wurden Getränke und Snacks finanziert - es fanden sich viele Zuschauer und Absolventen ein. Ehemalige Angestellte wie u.a. Christel Scherner blieben am Abend noch lang, um sich mit jungen Studenten oder 'alten Hasen' auf der dffb-Terrasse auszutauschen. Vom Gefühl her war dies die 'eigentliche' Geburtstagspremiere des Filmes, auch wenn noch einiges getan werden musste. Aber diese 'Feier-Stimmung' unter den Gästen und auch innerhalb der Wände der dffb wurde bei keiner späteren Projektion wieder erreicht.

Die Feier eines ursprünglich geplanten größeren Events wurde von der dffb in viele kleine aufgeteilt und über ein Jahr, bis zum September 2017, gestretcht. Ob dieses unbemerkte Älterwerden einem halben Jahrhundert dffb-Filmgeschichte gerecht wurde, sei dahingestellt. Niemand wird gern ein ganzes Jahr lang älter. Mein Gefühl bestätigte, dass der eigentliche Geburtstag an jenem Tag der Vorführung stattfand. Das konnte auch der Festakt im Berliner 'Roten Rathaus' am 20.9.2016 nicht überbieten.

1966 schlug der Berliner Bürgermeister Willy Brandt auf die Glocke und leitete mit seinen Worten, auch 50 Jahre später, unseren Film ein: „Ich darf Sie zur Eröffnung des ersten Studienjahres der Film- und Fernsehakademie Berlin herzlich begrüßen. Es ist spät, aber gewiss nicht zu spät, um hier eine Institution einzurichten, die den angedeuteten Zielen dient. Für Berlin dürfen wir damit rechnen, dass, auf etwas längere Sicht gesehen, von den Absolventen der Akademie künstlerische und organisatorische Impulse in Kino, Film und Fernsehen ausgehen werden."

Dem gegenüber stellten wir am Anfang unseres Films einen nachdenklichen Satz aus Irena Vrkljans (Jahrgang 1966) Film Widmung für ein Haus, was auf unvorhersehbare (Mauerfall) und kuriose Weise auf die Location der jetzigen dffb (Potsdamer Straße 2) weist: „Und so verlasse ich am Ende doch nur eine Grabstätte. Das Haus in der Potsdamer Straße verwandelt sich am Ende für mich doch nur in einen großen, prunkvollen Sarg. Er birgt die Vergangenheit und den Stein. Es ist November Eintausendneunhundertsechsundsechzig. In zwei Jahren gibt es dieses Haus nicht mehr“.

 

27./ 28.6.2017

13 EINFUEHRUNG Brotfabrik Presse

Foto 13: Brotfabrik, Presse

 

14 EINFUEHRUNG 7 Brotfabrik Frank Stefan 6 2017

Foto 14: Brotfabrik, Frank & Stefan, 6-2017

Bis zum Juni des Folgejahres sollte es dauern, dass unser Film im Rahmen der dffb-Geburtstagsaktionen im Kino der 'Brotfabrik' laufen sollte. Leider gab es zu schönes Wetter – der Kinokiller. Es kamen 20 bis 25 Besucher jeden Nachmittag bzw. Abend, und die Gespräche danach waren sehr angenehm. Ich hatte ja schon jahrelangen Kontakt mit den Ehemaligen per Email und war hocherfreut, nun einige persönlich kennenzulernen, z.B. Ursula Dieterich (Jahrgang 1980), Claudia Bachmann (Jahrgang 1989) oder Helge Heberle (Jahrgang 1981). Von der offiziellen Seite der dffb erschien leider Niemand und Niemand ist keine Person. Claus Löser vom 'Brotfabrik'-Kino leitete dann eine Diskussion. Mit der Leinwand im Nacken und dem Publikum face to face. Bis zu diesem Zeitpunkt der Vorführung wurde mithilfe der Studienleitung und der Videoabteilung ein DCP erstellt (das heutzutage übliche digitale Kinoformat), welches dann an diesen Tagen seine Premiere hatte.

Viele, viele bedauernswerte Absagen von Absolventen, die mit ihren Ausschnitten mitgewirkt hatten, trafen ein in der Hoffnung auf weitere Kinotermine. Zuvorderst standen aber erst Festivals auf dem Plan.

15 EINFUEHRUNG 8 Brotfabrik Claus Loeser 6 2017

Foto 15: Brotfabrik, mit Claus Löser, 6-2017

Es wurde, wie schon in den Jahren vorher, die Diskussion zum non-linearen Einsatz der Materialien, die zur Montage dieses Filmes zur Verfügung standen, weitergeführt. Ziel ist es auch noch heute, die Montageblöcke der Studenten in ihrer Gänze und Kürze gegenüber dem 86 minütigen fertigen Film auf der dffb-Alumni-Webseite zur Verfügung zu stellen. Ebenso die von Stefan geführten Protokolle der regelmäßigen Sichtungen und Diskussionen im Schneideraum (reine Textwüsten), Fotos und Listen der auftauchenden Filmausschnitte, die ich angefertigt hatte. Für den Film habe ich den 9-minütigen Abspann hergestellt, in dem jeder Film mit Regisseur/in, Herstellungsjahr und prägnantem Foto aus dem Ausschnitt zu sehen ist – mit einer Musikmontage ausschließlich aus den eingereichten Filmen (Ebba Jahns großartiger Jazzfilm Rising Tones Cross inspirierte mich ohrenscheinlich).

Dieses Ziel, den Film, die jeweiligen Montagen und auch die eingereichten Originalausschnitte sowie jene Protokolle auf der Alumni-Seite zur Verfügung zu stellen, wird aktuell weiter verfolgt.

 

15./16.4.2018

16 EINFUEHRUNG 11 Plakat 2017

Foto 16: Plakat 2017

 

17 EINFUEHRUNG 9 Frank Stefan Achtung 4 2018

Foto 17: Frank & Stefan, Achtung Berlin, 4-2018 (© Sebastian Berens)

ACHTUNG BERLIN. Dieses Festival ist das erste, welches den Film in seine Rubrik „Berlin Spezial“ aufgenommen hat. In den Frühjahrmonaten 2018 hatte Stefan noch den englischen Text zur Untertitelung gefertigt, und ich habe dann mithilfe der Videotechniker an der dffb ein neues DCP mit engl. UT hergestellt. Wahrscheinlich ist es jetzt eine noch größere Herausforderung, den Film mit seinem Look eines Experimentalfilms zu betrachten und zu lesen, doch er fand den richtigen Anklang und Zugang für fremdsprachige Zuschauer, wie später bestätigt wurde.

An einem (wettermäßig) zu schönen Sonntag lief EINFÜHRUNG IN EINE WAHRE GESCHICHTE DER DFFB im Baby 1 (so kürzte ich die 'Babylon' Kinos ab). Es kamen ca. 40 Zuschauer – das Kino hätte mehr aushalten können. Aber auch hier nahmen einige das erste Mal und etliche erneut die Filmpräsentation wahr.

Von den Studenten, die geschnitten hatten, standen Julia Milz und Lisa Roling zusammen mit Stefan und Frank zu einem Q & A nach der Vorführung zur Verfügung. Bei dem zweiten Screening am 16.4. im Baby 3 tat das dann Ewelina Rosinska. Mir war es wert zu betonen, dass diese filmische Collage besonders ein Portrait und Zeugnis über fünfzig Jahre des unabhängigen Films in Berlin bedeute. Sehr wohl unter dem Dach der dffb, aber auch darüber hinaus.

 

18 EINFUEHRUNG 10 Team Q A Achtung 4 2018

Foto 18: Team bei Q & A, Achtung Berlin, 4-2018, ganz links: Moderatorin Julie Kirchhoff

Die Gespräche nach der Festivalpremiere (gegenüber im Café) dauerten länger als der Film selbst. 'Veteranen' wie Bärbel Freund (Jahrgang 1979), Ursula Dieterich (Jahrgang 1980) oder Ilona Baltrusch (Jahrgang 1979) hatten den Film inzwischen mehrfach gesehen und – wie interessant: auch mehr IN ihm gesehen!

Der Berlin-Bezug des Festivals brachte genau die angenehme Grundlage für unseren Film. Nun ist er 'richtig' fertig geworden –  4 Jahre nach der Grundidee. Peinlich berührt musste ich jedoch zu Boden schauen, als Rolf Coulanges mich darauf hinwies, dass in meiner wie ein eigenständiger Kurzfilm wirkenden Abspannmontage sein Film Sacy Perere fehlt! Whoops! Nur mit Fehlern könne man Perfektes schaffen – dieses mein Argument brachte Rolf und mich aber eher zum Schmunzeln.